Liebe, Eifersucht, Mord - und ein obskurer Dämon

 

MPG-Oberstufe erlebt bei "Carmen" einen interessanten Opernabend im Staatstheater.

 

Traditionell machen sich die Musikkurse der Oberstufe am MPG einmal im Jahr auf den Weg ins Staatstheater Stuttgart zum Opernbesuch. Dieses Jahr stand mit der französischen Oper "Carmen" von Georges Bizet eines der bekanntesten Bühnenwerke auf dem Spielplan. Die Handlung spielt in Südspanien. Man vermutet eine imposante Kulisse, Toreros, anmutende Kostüme… nichts davon ist in der schon zwanzigjährigen Stuttgarter Inszenierung zu sehen. Diese gibt sich nicht ansatzweise die Mühe, diese Erwartungen zu erfüllen. Stattdessen standen die Beziehungsebene der modern gestalteten Figuren und Bühnenbilder im Fokus und sorgten damit für einen interessanten Schwenk auf eine unplakative Ebene.

Allen voran die drei Hauptcharaktere überzeugten sowohl sängerisch als auch schauspielerisch: Don José (Atalla Ayan) als innerlich zerrissener Liebhaber, welcher Carmen aus Eifersucht und Verzweiflung gleich mehrfach umbrachte. Escamillo (Michael Mayes) als männliches Gegenmodell in Form eines lautstarken, selbstsicheren Draufgängers und gleichzeitig als Don Josés Konkurrent um Carmens Gunst. Und nicht zuletzt die Titelfigur (Stine Marie Fischer) selbst: freiheitsliebend, stolz und immer ihren Prinzipien treubleibend bis in den Tod. Und der ist unvermeidlich in der bereits skizzierten Dreierkonstellation.

 

Nicht allein diese drei Akteure, sondern auch der stimmgewaltige Chor, Kinderchor und das Staatsorchester begeisterten das Publikum. Ausgerechnet eine Rolle, die eigentlich in der Oper gar nicht existiert, stahl zeitweise allen anderen auf der Bühne die Show: "Surplus", ein obskurer, obszöner Schalk, stellte als von der Regie hinzufügte Rolle den Dämon Don Josés dar und lies den armseligen Soldaten immer wieder zum Täter werden. Jedenfalls bot u.a. dieses psychologische Konstrukt anschließend genügend Gesprächsstoff, als sich die MPGler sehr spät am Abend wieder auf dem Heimweg von einem beeindruckenden Musikerlebnis machten.