KI und der Mensch ist K.O.?
Podiumsdiskussion am MPG über künstliche Intelligenz (KI) fand regen Anklang


Mit dem Podiumsgespräch über das Verhältnis von Mensch und Maschine und die Rolle der Schule im Zeitalter rasanter technischer Entwicklungen stieß die SMV des Max-Planck-Gymnasiums auf breites Interesse. Belege dafür waren rund 100 interessierten Zuhörer und die rege Diskussion im Anschluss an das Gespräch, das von Lehrer Eberhard Knoll moderiert wurde.

Eine multiperspektivische Diskussion boten am Dienstagabend die Gäste in der Mensa des Max-Planck-Gymnasiums: Dr. Marco Wehr, Berufstänzer sowie Physiker und Philosoph, schreibt derzeit ein Buch über die Beziehung von Gehirn und Computer und entzauberte am MPG zuerst den Begriff des Algorithmus, indem er ihn mit einem Backrezept gleichsetzte, um dann Horrorspekulationen eines Gehirn-Uploads nach dem Tod zu relativieren. Patrick Klingler, der als Teil des IT Innovation Managements der Daimler AG die Aufgabe hat, neue technologische Trends aufzugreifen und für den Automobilhersteller fruchtbar zu machen, definierte anschließend die Ziele der künstlichen Intelligenz in seinem Arbeitsumfeld: Erstens sollen monotone bzw. repetitive Arbeiten der Maschine überlassen werden, damit für den Menschen die spannenden Aufgaben übrig bleiben können, denn die Kreativität des Menschen könne nicht ersetzt werden. Zweitens sollen Produkte verbessert und drittens neue Produkte entwickelt werden. Die Bedeutung einer selbstlernenden Technik, die ein ihr zugewiesenes Problem lösen soll, hob Ronny Bether, Schüler des Max-Planck-Gymnasiums, als ein für alle Schüler zukunftweisendes Thema hervor. Dabei machte er die Multidisziplinarität im Hinblick auf künstliche Intelligenz unter anderem an folgenden Fragen fest: Ist es vertretbar eine Maschine zu programmieren, die dem Menschen ähnlich ist? Welche ethischen Standards müssen berücksichtigt werden? Können Maschinen eine Moral entwickeln? Als Mitglied der Schüler-Ingenieur-AG (SIA) berichtete sein Mitschüler Jonas Reichmann vom konkreten Projekt der AG, ein Modellboot per App steuern zu können. Der Leiter der SIA, Lehrer Dr. Matthias Kunle, stellte den Zusammenhang dieser Projektarbeit mit der künstlichen Intelligenz und der zentralen Frage, wie Probleme zu lösen seien, her. Bedeutend dafür sei die Frage, wie Daten empfangen und anschließend verarbeitet werden.
Neben der Frage, wie sich der Alltag und die Arbeitswelt durch den Einsatz der künstlichen Intelligenz verändern werden, beschäftigte die Diskussionsteilnehmer auch der Entwurf eines Bildes von Schule in 15 Jahren. Auch wenn ein möglicher pädagogischer Mehrwert der Digitalisierung noch nicht bekannt sei, gelte schon jetzt: Die Schule hat sich bereits verändert. Dass dabei jedoch die die Diskrepanz zwischen der in der Schule angewendeten bzw. dem in der Schule vermittelten Wissen um Technik und den Anforderungen in der Berufswelt immens ist, sei evident. Jonas Reichmann machte seine Beobachtung daran fest, dass in der Schule weiterhin die Arbeit auf Papier im Fokus stehe. Aus dem Schulalltag ergänzte Ronny Bether: In diesem Zusammenhang könnten Ansätze der KI nicht nur im Hinblick auf personalisierte Stundenpläne für Schüler hilfreich sein, sondern auch im Unterricht könne man mithilfe künstlicher Intelligenz unterschiedlichen Lerntypen gerecht werden (z.B. dem visuellen, auditiven oder kommunikativen Lerner). Schule müsse außerdem die Bedeutung von Daten noch deutlicher machen, damit Schüler mit dieser Währung und diesem Futter für Algorithmen lernen, sensibel umzugehen, betonte Patrick Klingler, der aus seinem Arbeitsalltag weiß, dass Daten der Schatz eines jeden Unternehmens sind.
Einig waren sich die Diskutanten darüber, dass die Lehrperson und die durch sie stattfindende individuelle Unterstützung und Begleitung der Schüler auch in 15 Jahren noch gebraucht werden. Es sei daher wichtiger, mehr und gut ausgebildete Lehrer zu haben als Schule „digital aufzupimpen“, pointierte Dr. Marco Wehr.
Dr. Matthias Kunle äußerte sich auf Frage nach der Zukunft der Schule ebenso optimistisch: „Es ist einfach zu sagen: Die Maschine nimmt uns die Arbeit ab, wichtig bleiben jedoch Grundlagen! Lesen, schreiben, rechnen, die Kompetenz Probleme zu lösen, Ergebnisse kritisch zu überprüfen und Alternativen anzudenken.“ Kurzum: die Schule müsse weiterhin fördern, dass Schüler denken lernen und ihre Fähigkeit zur Abstraktion ausbauen können.
Das Fazit der Diskussionsteilnehmer am Ende des Abends fiel daher optimistisch aus: Künstliche Intelligenz, so der Tenor, agiert um den Menschen herum und unterstützt ihn; der Mensch und sein Wissen sind aber nicht K.O.

Die rege Diskussion zwischen Podiumsteilnehmern, Schülern, Eltern und Lehrern im Anschluss an den offiziellen Teil der Veranstaltung griff aktuelle Fragen, unter anderem zum autonomen Fahren oder dem Schutz persönlicher Daten auf und zeigte, was auch Schulleiterin Petra Notz in ihren Abschlussworten belegte: Nicht nur die aktuellen Abiturprüfungen, sondern auch die tägliche Erfahrung am MPG zeige, dass die Schüler die von den Diskutanten geforderten Kompetenzen beherrschen und interessierter sind als ihr Ruf es ihnen nachsagt.