Wie werden wir Schneewittchen wieder los?


Das ist die Frage, die sich die Schauspieler der Theater-AG des Max-Planck-Gymnasiums am 9. Mai 2017 im Schlosskeller stellten. Dort traten sie mit der Märchenparodie von Inge Methfessel auf. Aber Moment, fangen wir doch vorne an.
Fröhlich kommen die acht Zwerge – ja, es sind acht, weil Zwillinge unter ihnen sind – eines Abends nach Hause. Sie freuen sich auf ihre Erbsensuppe und einen gemütlichen Abend bei einer gemeinsamen Runde Schnipp-Schnapp, ihrem Lieblingsspiel. Doch in ihrer Hütte angekommen, trauen sie ihrer Nase nicht: es riecht anders! Der Grund ist schnell gefunden: Schneewittchen, die schlichtweg keinen Bock mehr auf ihre Eltern hatte, ist von zuhause abgehauen und macht sich nun bei den Zwergen breit. Die Hoffnung der Zwerge auf lecker gekochtes Essen ist schnell dahin. Schneewittchens Kräutersuppe ist ungenießbar und ihr arrogantes und dominantes Auftreten, überzeugend dargestellt von Lea Gutekunst, geht den sonst so friedlichen Waldbewohnern schon bald gehörig auf die Nerven. Sie suchen Hilfe bei der Hexe, wunderbar gespielt von Charlotte Hausch. Aber auch die hat schon Bekanntschaft mit dem „fürchterlichen Mundwerk“ des ungebetenen Gastes gemacht und wäre höchstens bereit, den Zwergen dabei zu helfen, Schneewittchen zu vergiften. Sie nur zu vergraulen, das ist ihr zu wenig. Sie zu vergiften, das ist wiederum den Zwergen eine Spur zu böse. Also sucht der erste Zwerg, selbstbewusst verkörpert von Florian Bahnmüller, die Unterstützung des gutmütigen Drachen (Nick Beuter). Dieser könne doch, so die Idee des pfiffigen Zwergs, Schneewittchen in seiner Höhle verstecken. Der Drache überlegt hin und her. Er hat aber keine Lust auf einen „dusseligen Helden und Befreier“, der ihn erschlägt, um Schneewittchen zu erobern. Daher kommt er zu dem Schluss: „Eine Frau kommt nicht in meine Höhle!“ Fressen könne er sie vielleicht, wenn sein Magen mitmache, aber da steht den zipfelbemützten Freunden erneut ihr Gutzwergentum im Wege und sie lehnen ab. In der Zwischenzeit jedoch kommt dem zweiten Zwerg, sehr gut gespielt von Emil Rauscher, eine für Zwergenverhältnisse äußerst unkonventionelle Idee. Schon öfter hat er Schneewittchen beim Hantieren mit einem „komischen technischen Ding“, ihrem Laptop, beobachtet und dabei herausgefunden, dass man in diesem seltsamen Internet einfach alles bestellen kann. Warum also nicht einfach einen Prinzen herbestellen, der Schneewittchen heiratet und mitnimmt? Gesagt, getan. Wie zickig Schneewittchen ist, und dass sie nicht kochen kann, das verheimlicht der clevere Zwerg in seinem Angebot natürlich. Am Ende des Stücks taucht auch noch Schneewittchens beste Freundin Rotröschen (Clarissa Burkhardt) in Stöckelschuhen auf und die Ereignisse überschlagen sich. Wie gut, dass gleich zwei Prinzen (Mika Quast und Nick Beuter) die Annonce der Zwerge gelesen haben und auf ihren „feurigen Rössern“, einem Porsche und einem Ferrari, die „günstig abzugebende“ Prinzessin suchen. Das Gute siegt, und zurück bleiben am Ende acht glückliche Zwerge, die endlich wieder ihre Ruhe haben – und jetzt auch einen Laptop, den Schneewittchen zurückgelassen hat.
Tordis-Arlett Nitsch, die Leiterin der Theater-AG des MPG, war am Ende der Aufführung zu Recht stolz auf ihre noch ganz junge Truppe: die Darsteller spielten allesamt überzeugend und blieben ihren Rollen treu: der kleine, stotternde Zwerg (Clara Zürcher), der arme sechster Zwerg (Elias Mangold), der unfreiwillig sein Bett an Schneewittchen abtreten musste, der Zwillingszwerg (Pauline Ristow und Emily Theissler schafften es problemlos, ihre Rolle synchron zu sprechen) und die übrigen sympathischen Zwerge (Clara und Ludwig Schaal, Emil Rauscher und Florian Bahnmüller). Ein besonderes Lob erhielt Nick Beuter, der den Drachen und den zweiten Prinzen spielte, in den Proben jedoch vor allem die Rollen der anderen übernehmen musste, wenn jemand fehlte. „Nick“, so Tordis-Arlett Nitsch, „kann das ganze Stück auswendig.“ Die Lehrerin dankte dem MPG-Verein für die finanzielle Unterstützung, dem Technik-Team um Jan Volz sowie den Mitarbeitern des „Theater im Schlosskeller“. Ein weiterer Dank ging an die Musikkollegen Claudia Burkhardt und Florian Aißlinger. Bereits im vergangenen Schuljahr hatten die drei Kollegen gemeinsam das sehr erfolgreiche und preisgekrönte Kinderoper-Projekt realisiert. Für die Märcheninszenierung seiner Kollegin hat Florian Aißlinger ein Musikstück komponiert, das von Fünftklässlern gesungen und von Charlotte Hausch am Klavier gespielt wurde. Schulleiterin Ulrike Zimmermann war von der Aufführung begeistert und bedankte sich mit einem Blumenstrauß bei ihrer Kollegin. Das Publikum belohnte die Arbeit des ganzen Teams mit langanhaltendem Applaus und machte sich gut gelaunt auf den Nachhauseweg. Denn die Freude der jungen Darsteller am Theater wirkte ansteckend!











Fotos: J. Buck